Das Bild zeigt einen kreativen Auto-Scheibenwischer.

Kreativität ist, wenn … bereits Vorhandenes auf neue Weise verwendet oder kombiniert wird und dabei etwas Ungewohntes oder Überraschendes herauskommt, das gleichzeitig einen Nutzen stiftet. (Foto: lachschon.de)

Kreativ sein müssen alle. Kreativität in der Buchhaltung, Kreativität in der Erziehung, Kreativität als fester Bestandteil des persönlichen Lebenslaufs bei Stellenbewerbungen und in Stellenbeschrieben. Kreativität ist die Fähigkeit, neue Ideen, Lösungen und Verbindungen zu finden oder bereits Vorhandenes auf neue Weise zu verwenden und zu kombinieren. Kreativ ist ein Ergebnis dann, wenn dabei etwas Ungewohntes und Überraschendes herauskommt, das gleichzeitig einen Nutzen stiftet, der auch Dritten wirkliche Vorteile bringt.

15 Kreativititätstipps im Überblick:

Tipp 1 – Zeit nehmen

Kreativität entsteht niemals unter Stress, denn dieser erhöht Denkblockaden. Nehmen Sie sich für Kreativität Zeit.

Tipp 2 – Die liegende 8

Stellen Sie sich aufrecht hin und stellen Sie sich eine grosse, querliegende Acht vor. Folgen Sie dieser

Das Bild zeig eine liegende 8.

Mit den Augen den Kurven der liegenden Acht folgen, verbindet die linke und rechte Gerhirnhälfte.

Acht einige Male und beenden Sie den letzten Durchgang mit einer Aufwärtsbewegung.
Kreativität findet dort statt, wo Gegensätze aufeinander treffen. Durch die Übung „liegende 8“ werden die linke Gehirnhälte (rationale Aufgaben) und die rechte Gerhirnhälte (Phantasie, Gefühle etc.) aktiviert. So profitiert man von beiden Hemisphären.

Tipp 3 – Der Anker

Denken Sie an einen Moment, in dem Sie bereits einmal kreativ waren: Was haben Sie dort genau gemacht, gesehen, gehört oder gedacht? Versuchen Sie sich in diese Situation zurückzuversetzen: Schliessen Sie Daumen und Zeigefinger der nicht-dominanten Hand und nehmen Sie diesen Moment besonders intensiv wahr. Wenn Sie künftig in eine kreative Phase eintreten wollen, können Sie diese Erinnerung wieder aktivieren, in dem Sie Daumen und Zeigefinger wie beschrieben zusammenbringen.

Denkblockaden, Stress und Ängste können Kreativität verhindern. Die Ursachen liegen meist in überhöhten Erwartungshaltungen und an der fehlenden Zeit für einen solchen Prozess. Mit dieser NLP-Technik des Ankerns verfügt man quasi über einen „Schalter“, um einen gewünschten Zustand herbeizuführen.

Tipp 4 – Humor und Provokation

Eine Pointe lebt davon, dass etwas Unerwartetes geschieht. Das erfordert Denken in ungewohnten Zusammenhängen und Verknüpfen von ungewöhnlichen Bedeutungen, um so neue Verbindungen herzustellen. Humor und Provokation fördern diesen Kreativprozess.

Tipp 5 – Neue Wege gehen

Verlassen Sie die bekannten Trampelpfade: Tun Sie Dinge, die Sie sonst nicht täglich machen: Betrachten Sie ein Bild oder einen Kunstgegenstand, informieren Sie sich über ungewohnte Themen, suchen Sie bewusst den Kontakt mit Menschen, die anderer Meinung sind. Es ist erstaunlich, wie viele neue Dinge ich entdecke, wenn ich in meiner gewohnten Umgebung ausnahmsweise nicht geradeaus schaue, sondern ab und zu die erste oder zweite Etage von Häusern betrachte.

Tipp 6 – SMARTe Ziele setzen

Be SMART: Kreativität braucht Situationsspezifische, Messbare, Attraktive, Realistische, Terminierbare Ziele. Überhöhte Ziele bringen nichts: Ziele müssen der Situation angepasst, überprüfbar, attrativ und planbar sein.

Tipp 7 – Auf Wunder hoffen!

Das Bild zeigt zwei Figuren, die auf ein Wunder hoffen.

Wunder sind möglich – zumindest in unserer Vorstellung. Bekanntlich kann die Vorstellung Wunder wirken.

Stellen Sie sich vor, es würde über Nacht ein Wunder geschehen und es gäbe das bisherige Problem nicht mehr: Wie würde sich das bemerkbar machen? Diese Art der Betrachtung geht auf die Hypnotherapie zurück. Die Wunderfrage bringt die Gedanken hin zur Lösung und weg vom Problem. Diese Technik kann allein oder in Gruppen angewendet werden und eignet sich dann, wenn ein Problem als übermächtig empfunden wird und die Lösung in weiter Ferne zu liegen scheint.

Tipp 8 – Umkehrmethode

Die Sache verkehrt herum andenken, kann kreative Ideen fördern oder Verbesserungen bewirken. Statt sich Gedanken darüber zu machen, wie Sie mehr Kunden gewinnen, machen Sie sich einmal Gedanken darüber, mit welchen Methoden Sie Kunden am besten verlieren können.
Das Problem wird umgekehrt: Der Blickwinkel öffnet sich dank der absurden Sichtweise und birgt oft ein grosses Verbesserungspotenzial, denn dadurch wird Betriebsblindheit überwunden. Selbstverständlich werden die neuen Ansätze schliesslich in ihr konstruktives Gegenteil übersetzt und auf ihre Umsetzbarkeit überprüft.

Tipp 9 – Osborne

Die Osborne-Methode beinhaltet neun Vorgehensweisen, um neue Lösungen zu kreieren:
1. etwas anders verwenden (als bisher üblich), 2. anpassen, 3. verändern, 4. vergrössern, 5. verkleinern, 6. umformen und ersetzen, 7. umkehren und ins Gegenteil verkehren, 8. kombinieren und 9. transformieren.

Zu allen neun Vorgehensweisen gibt es einige weitere Überlegungen. Folgende Fragen können Sie sich beispielsweise zu Punkt 1 „etwas anders verwenden“ stellen:

  • Welche Parallelen zu andern Funktionen oder Projekten lassen sich finden?
  • Kann die Idee in einen andern Kontext gestellt oder das Produkt anderswo eingesetzt werden?
  • Gibt es eine andere Zielgruppe oder einen neuen Verwendungszusammenhang für die bestehende Zielgruppe?

Tipp 10 – Walt Disney-Methode

Walt Disney erschuf seine berühmten Figuren und Geschichten, indem er der Reihe nach die Rolle des „Träumers“, des „Realisten“ und des „Kritikers“ einnahm:

  • Der Träumer entwickelt Ideen, Richtungen und Visionen, während
  • der Realist systematisch vorgeht und mit der konkreten Umsetzung beschäftigt ist.
  • Der Kritiker hinterfragt das Ganze und nimmt Ideen und Vorgehensweisen auseinander.

Dieses Spannungsfeld von „Alles-ist-möglich“ über „Nichts-geht-wie-geplant“ bis „Machen-wir-das-Machbare“ kann sehr viel zur Weiterentwicklung eines Projekts beitragen. Sobald die zur Debatte stehenden Fragen bewusst gemacht und das Problem oder die Ziele präzisiert wurden, kann man der Reihe nach diese Rollen selber einnehmen. Interessant ist, wenn Mitglieder eines Teams in die verschiedenen Rollen schlüpfen und so mit- und gegeneinander deren Extreme ausloten.

Tipp 11 – Brainstorming

Brainstorming ist eine der bekanntesten, assoziativen Kreativitätstechniken. Damit sie funktioniert, sind einige Grundregeln zu beachten. So kommt beispielsweise für einmal Quantität vor Qualität: Die Teilnehmer eines Brainstormings dürfen so viele und so unterschiedliche Ideen äussern wie nur möglich. Dies soll dazu führen, dass die andern Mitwirkenden durch die spontanen Äusserungen angeregt und inspiriert werden.
Wichtig ist, dass die Äusserungen vorerst nicht bewertet, sondern gesammelt werden. Wenn sich schliesslich eine Idee herausschält, so sind alle Urheber. Die Äusserungen werden anschliessend nach ihrer Verwendbarkeit bewertet und umgesetzt.

Tipp 12 – Brainstorming geht auch alleine

Brainstorming für Einzelpersonen ist ebenfalls möglich:

  • Formulieren Sie eine Aufgabenstellung und verwenden Sie zirka 20 Minuten, um Ideen zu finden.
  • Schreiben Sie die Gedanken auf, die Ihnen in der Brainstormingphase in den Sinn kommen (spontan, ohne zu werten). Wenn ein Gedanke niedergeschrieben ist, lassen Sie den nächsten folgen, bis Sie ein paar Dutzend Stichworte gesammelt haben.
  • Machen Sie eine Pause und strukturieren Sie Ihre Stichworte.

Beim Einzel-Brainstorming geht es weniger darum, Ideen zu finden, die sich direkt in die Praxis umsetzen lassen, als vielmehr Ansatzpunkte zu entwickeln, um über übliche Lösungsmuster hinauszudenken.

Tipp 13 – Anonymes Brainstorming

Mit einem anonymem Brainstorming wird die freie Meinungsäusserung gesichert. Zwar entfällt beim anonymen Brainstorming (vorerst) die gegenseitige Anregung zur Ideenfindung, dafür wird – gerade bei kontrovers diskutierten oder konfliktträchtigen Themen – die freie Meinungsäusserung gesichert.
Das ist insbesondere dann wichtig, wenn sich die Brainstorminggruppe aus Personen unterschiedlicher Hierarchiestufen zusammensetzt: Auch rangniedrige Mitglieder halten dann ihre Meinung weniger zurück.

Tipp 14 – Kreativität ist Zerstörung – destruktives Brainstorming

Kreativität ist Zerstörung! – “Um Neues zu kreieren, muss Altes weichen”, lautet das Motto des destruktiven Brainstormings: Man betrachtet alle Schwächen und Nachteile einer Idee, einer Dienstleistung oder eines Produkts. Danach folgt eine konstruktive Phase, in der das Problem definiert und neue Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Die Alternativen werden geprüft und eine konsensfähige Variante  weiterentwickelt.

Tipp 15 – Sechs Hüte – mehrere Perspektiven

Die sechs Hüte symbolisieren je eine Perspektive der Problembewältigung und bieten je eine andere Sichtweise. Dadurch lernen wir verschiedene Standpunkte kennen. Wer die Technik alleine anwendet, setzt sich die Hüte der Reihe nach auf.

  • Der weisse Hut: Objektivität, Neutralität, analytisches Denken – Zahlen und Fakten werden aufgelistet.

    Die sechs Hüte stehen für eine andere Sichtweise

    Jeder der sechs Hüte steht für eine andere Sichtweise auf den betreffenden Gegenstand oder Sachverhalt.

  • Der rote Hut: persönliches Empfinden, Subjektivität – positive und negative Gefühle zählen.
  • Der schwarze Hut: negative Sachargumente – es werden sachlich-rational Zweifel, Bedenken und Risiken geäussert.
  • Der gelbe Hut: objektive positive Eigenschaften – Chancen und Vorteile werden aufgezeigt.
  • Der grüne Hut: Kreativität, Alternativen – man denkt provokativ, widersprüchlich über das Bestehende hinaus.
  • Der blaue Hut: Kontrolle, Organisation – er behält die Übersicht und führt die einzelnen Positionen zusammen.

Die Resultate werden protokolliert und die Rollen getauscht.

Viel kreativen Spass!

Aus: Karsten Noack. Kreativitätstechniken, Schöpferisches Potenzial entwickeln und nutzen. 2005: Cornelsen Verlag.

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