Selbstpräsentation im Lift

Meistens fährt man nicht alleine im Fahrstuhl wie in diesem Paternoster-Aufzug: Die kurze Zeit der gemeinsamen Liftfahrt mit Fremden könnte genutzt werden, um sich selber vorzustellen – mit dem sognenannten Elevator Pitch. (Foto: M. Schudel)

Die Beklemmung steigt: Ich stehe mit einem wildfremden Menschen im Lift und drücke mich mit dem Rücken an die Wand des Fahrstuhls, um die soziale Distanz wieder herzustellen, was auf eineinhalb Quadratmetern ein Ding der Unmöglichkeit ist. Mein Gegenüber tut dasselbe. Die Lifttüren schliessen sich noch immer nicht.  Hastig drücke ich den ‚Türe zu‘-Knopf zum zweiten Mal und schaue danach betreten auf den Boden. Ich spüre den Blick auf meinem Arm als Folge meiner hastigen Gestik. Endlich. Die Türen sind zu. Die Sekundenfahrt in die Höhe beginnt. Verlegener Blick an die Decke. Wir haben erst eine Etage passiert und noch dauert die Fahrt über weitere fünf Stockwerke. Eine kleine Ewigkeit. Ich habe mich zu Boden guckend etwas eingerichtet. Die Neugier steigt: Ich schaue mir den andern Passagier flüchtig (in einer Zehntelssekunde) an. Autsch. Der andere tut genau dasselbe (…).

Kennen Sie diese kurzen peinlichen Momente?

Ein Personalberater gab mir vor Jahren den Tipp: Nutze diese Zeit, um Dich selber vorzustellen: Dich, Deine Arbeit und vor allem den Nutzen, den Du mit Deiner Tätigkeit für Dein Gegenüber erbringen kannst.  Man nennt das den Elevator Pitch, also sinngemäss übersetzt: die Selbstpräsentation während der Dauer einer Liftfahrt, was vielleicht 18 bis 30 Sekunden sein dürften.

Selbstverständlich wird man sich kaum je einem Fremden im Lift vorstellen. Aber es gibt genügend (berufliche) Situationen, in denen man andern Menschen etwas von sich erzählen könnte, dann aber etwas verlegen herumdruckst: an einem Apéro, an einer Networking-Veranstaltung, bei einem Vorstellungs- oder anlässlich eines Kundengesprächs – bei beruflichen Zusammentreffen mit Menschen, die man nicht oder kaum kennt, und wo man nicht schon wieder übers Wetter reden will…

 Elevator Pitch: sich schlicht, kurz und konkret vorstellen und den Andern involvieren

Der Elevator Pitch verläuft über vier Phasen: Einleitung, Spannungsaufbau, Spannungsauflösung und Folgeimpuls.  

In der Einleitung stelle ich mich kurz selber vor:Ich schreibe einen Blog mit Tipps zu Marketing und Kommunikation für Kleinbetriebe und unterstütze diese dabei, erfolgreich im Markt aufzutreten. Ich lebe in Basel, bin verheiratet und habe einen Sohn, mit dem ich gerne schwimmen gehe.“ –  Es sollte nicht zu gekünstelt wirken, sondern natürlich daherkommen. Überlegen Sie sich ein paar Punkte zu Ihrer beruflichen und privaten Situation, die das Gegenüber interessieren könnten.

Danach folgt Phase 2, der Spannungsaufbau: Diesen erreicht man am besten mit einer Frage: „Warum sind Sie zu diesem Anlass gekommen?“ Oder: „Woher kennen Sie xy?“ Da Sie das Eis gebrochen haben, wofür Ihnen der Andere (wahrscheinlich) dankbar ist, wird er gerne darauf antworten. Menschen streben immer nach Pride, Profit, Pleasure und Peace (Stolz oder Würde, Geld und Gewinn, Vergnügen und Unterhaltung, Friede und Freude). Berücksichtigen Sie das in dieser Phase.

Die Spannungsauflösung führt zu Ihnen zurück, in dem Sie den Fokus auf die eigenen Stärken und jene Ihrer Dienstleistung oder Ihres Produkts lenken. Dabei hilft, möglichst mit Bildern, Vergleichen und Beispielen zu argumentieren, weil diese nachhaltiger beim Andern zurückbleiben: “ Als Kommunikationsberater werde ich immer wieder angefragt, ob etwas gut formuliert ist. Neulich habe ich zusammen mit einer Kundin eine ganz unkonventionelle Art der Geschäftskorrespondenz getestet. Wir waren in der Folge beide erstaunt, dass sich daraufhin viel mehr Leute meldeten.“ Es bleibt zu hoffen, dass das Interesse des Andern geweckt ist und sich ein Gespräch daraus entwickelt.

Der Abschluss des Elevator Pitchs sollte idealerweise mit einem Folgeimpuls enden: „Ich finde es spannend, zwei verschiedene Massnahmen zu testen und festzustellen, unter welchen Bedingungen etwas mehr Erfolg haben kann. Ist das für Ihren Berufsalltag auch relevant?“

Mittlerweile dürfte die Liftfahrt bereits längst beendet sein. Sie stehen mit dem Andern in ein Gespräch verwickelt vor dem Lift und tauschen zum Schluss Ihre Visitenkärtchen aus. Das wäre der Idealfall. Spass beiseite. Aber vielleicht gelingt es Ihnen, das Eis zu brechen. Und es ist bekanntlich noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Ansonsten wärs auch nicht so schlimm, denn Sie haben zumindest die Engegefühle im Fahrstuhl etwas überwunden.

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