Tunnelblick als Symbol für Lampenfieber

Reden vor Publikum macht vielen Menschen Angst. Die eingeschränkte Wahrnehmung des Gehirns beinträchtigt auch das Sehen und führt zum Tunnelblick. (Foto: M. Schudel)

Im Kopf herrscht Überdruck.  Die Stirne ist fiebrig heiss. Unregelmässiger Atem, nervöse Gestik und zittrige Knie. Klare Gedanken sind kaum mehr möglich. Lampenfieber ist für viele ein Problem, wenn sie vor Publikum sprechen müssen. Angeblich ist dagegen kein Kraut gewachsen. So sollen auch berühmte Vielredner nach Jahren noch vor jeder Rede Beklemmung verspüren.  Man kann dem Dämon aber Paroli bieten.

W-Fragen stellen

Wenn Sie sich gut  – und vor allem schriftlich – vorbereiten, gibt Ihnen das Manuskript Halt, sobald Sie vor den Zuhörern stehen und sich der Boden unter den Füssen wieder zu verflüchtigen droht. Im Folgenden finden Sie einen Fragenkatalog, der Ihnen hilft, alle nötigen Informationen einzuholen und in die Rede einfliessen zu lassen:

  • Warum halten Sie die Rede? Das kann ein Jubiläum, ein Sachreferat, ein Geburtstag oder die Begrüssung des neuen Mitarbeiters sein. Überlegen Sie sich, was die übergeordnete Bedeutung des Anlasses und der Rede ist.
  • Warum reden ausgerechnet Sie? Werden Sie sich klar darüber, warum man ausgerechnet Sie mit diese Ansprache beauftragt hat: In welcher Funktion stehen Sie zur Sache oder zur Person, über die Sie sprechen?
  • Von wem oder von was handelt die Rede? Wer oder was sind Inhalt Ihrer Rede: Kennen Sie den Betreffenden oder die Sachlage gut genug, um sich darauf einzulassen?
  • Welche Botschaft vermitteln Sie mit welcher Tonalität? Treten Sie einen Schritt zurück und denken Sie an die letzten Momente Ihrer Rede vor Publikum: Was ist das Wichtigste, das Sie den Zuhörern mitgeben wollen? Soll Ihre Rede witzig oder ernsthaft sein? Es darf auch gelacht und mitgefühlt werden.
  • Wer ist das Publikum? Vor wem sprechen Sie: Handelt es sich um ein Fachpublikum, um Fremde,  Freunde oder Verwandte? Je nach Zuhörern legen Sie mehr Gewicht auf thematische oder persönliche Aspekte.
  • Wie sprechen Sie die Zuhörer an? Wollen Sie Ihre Gegenüber per Du oder Sie ansprechen? Ziehen Sie die Art der Ansprache während der gesamten Redezeit durch. Mit Emotionen erreichen Sie Ihr Publikum, aber achten Sie darauf, niemanden zu verletzen oder Ihre vermeintliche Machtposition für Rundumschläge zu missbrauchen.
  • Wie lange und in welcher Form? Wie viel Zeit steht Ihnen zur Verfügung, um die Rede zu halten? Geben Sie Ihre Rede danach schriftlich ab oder stellen Sie diese ins Netz?
  • Woher nehmen Sie die Informationen? Kaum jemand kann sich die benötigten Informationen aus dem eigenen Daumen saugen. Wo recherchieren Sie? Welche zusätzlichen Inhalte benötigen Sie? Wer weiss Interessantes über den Menschen, den Sie in Ihrer Rede würdigen?

Einen Aufhänger finden

Nun haben Sie bereits einige Informationen gesammelt, gesichtet und strukturiert. Das Puzzle nimmt Formen an. Brüten Sie über diesen Inhalten und lassen Sie diese im Kopf gären. Sie stellen fest, dass Ihnen plötzlich Ideen und Einfälle in den Sinn kommen. Lassen Sie sich von einer Idee mitreissen und gestalten Sie die Rede bildhaft. Zitate können so zum Aufhänger für Ihren Vortrag werden. Eine Anekdote aus dem Leben der Person bildet vielleicht den Roten Faden für Ihre Rede.  Oder gibt es sonst eine Geschichte, die sich eignet?

Aufbau einer Rede

Meist wird es Ihnen nicht an Inhalten fehlen. Im Gegenteil: Schwierig ist, aus dieser Fülle die wichstigsten Informationen herauszupicken, logisch zu strukturieren und interessant aufzubereiten. Damit eine Rede verständlich ist, muss sie gut geliedert, einfach im Satzbau und anregend formuliert sein. Das hilft auch den weniger guten Rhetorikern dabei, spontaner sowie authentischer aufzutreten und nicht alles vom Papier in der Hand abzulesen.

Je nach Art der Rede (Informations-, Instruktions-, Überzeugungs- oder Gelegenheitsrede) gewichten Sie den Inhalt anders, aber prinzipiell gliederdert sich eine Rede in Einleitung, Hauptteil und Schluss. Immer gut fahren Sie, wenn Sie Ihre Rede dreiteilen, zum Beispiel in:

a) Was ist?

b) Was soll sein?

c) Was muss geschehen?

Oder chronologisch:

a) Was war? – Gestern.

b) Was ist? – Heute.

c) Was wird sein? – Morgen.

Insbesondere bei einer Festrede anlässlich von Jubiläen, Geburtstagen, Beförderungen, Pensionierungen, Zielerreichungen eignet sich diese Gliederung gut:

  1. Im ersten Teil begrüssen Sie die Anwesenden, streuen beispielsweise eine Anekdote ein und sagen kurz, worum es in Ihrer Rede geht. Sie würdigen das Ereignis oder die Person.
  2. Anschliessend holen Sie in der Vergangenheit aus und gelangen in die Gegenwart, wo Sie Herausragendes erwähnen und Ihrem Wunsch Nachdruck verleihen, es möge so in Zukunft weitergehen.
  3. Zum Schluss fassen Sie das Gesagte nochmals zusammen und bekräftigen das Lob, das Argument oder Ihre Hoffnung erneut, um mit einem Appell ans Publikum die Rede abzuschliessen.

Es gibt selbstverständlich viele Spielvarianten, eine Rede aufzubauen: Sie könnten beispielweise auch die Zukunft vorwegnehmen und ausführen, wie sich alles rückblickend entwickelt hat und in drei verschiedenen Szenarien ausschmücken.

Eine gut formulierte und niedergeschriebene Rede ist schon fast die halbe Miete. Es wird Ihnen zwar nicht erspart bleiben, auch an Haltung, Gestik, Mimik oder am Blickkontakt mit dem Publikum zu feilen, doch das Lampenfieber wird sich senken – vielleicht zu einem Lämpchenfieber.

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