ART Basel 2016

Kunst eröffnet neue und neuartige Perspektiven auf die eigene Realität, ohne uns von dieser zu trennen. (Foto: M. Schudel, ART Basel 2016)

Auch wenn ich nicht viel von Kunst verstehe und manchmal nicht nachvollziehen kann, warum ein Werk Rekordumsätze erzielt, während ein anderes (kommerziell) unbedeutend bleibt, so bildet Kunst für mich eine Inspirationsquelle: Kunst unterbricht den gewohnten Alltag, sie stoppt eingeschliffene Gedankengänge und lenkt in andere Bahnen, sie stellt in Frage und öffnet neue Perspektiven. Ein Input, die eigene Arbeit aus anderer Perspektive zu betrachten.

Jenseits der Wirklichkeit und Teil davon

Man kann sich leicht vorstellen, dass die Definitionen von Kunst so vielfältig sind wie die Kunst selbst: Dass Kunstwerke menschliche Produkte oder Prozesse sind, die unseren Sinnen entspringen, jedoch nicht eine Funktion erfüllen müssen oder wollen, sondern einfach um ihrer selbst Willen entstehen – als Teil dieser Welt und dennoch jenseits davon.

 Gegen Verkümmerung

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„Das Kunstwerk nimmt uns in einen Bezirk hinein, dessen Rahmen alle umgebende Weltwirklichkeit, und damit uns selbst, insoweit wir deren Teil sind, von sich ausschliesst“: Georg Simmel. (Foto: M. Schudel, ART Basel 2016)

Wir Kleinunternehmer und Solopreneure bemühen uns den lieben langen Tag darum, die Kunden zufrieden zu stellen, Aufträge zu generieren und Gewinne zu erzielen.  Der Philosoph Georg Simmel schreibt 1914 in einem Essay „L‘ art pour l‘ art“, dass der Mensch zwar eine ganz spezialisierte Leistung zu einer gewissen Vollkommenheit bringen könne, dass er die höchste Vollkommenheit aber nur dann erreiche, wenn der innere Bezirk  seiner speziellen Leistung gleichsam nach allen Seiten hin offene Türen zu dem seelischen Gesamtbezirk habe, aus dem ihm Kräfte, Bewegungen, Bedeutsamkeiten zuströmten und ihn nährten. Wenn der Mensch nur eine Partialleistung zur Vollkommenheit bringe, so verkümmere er.

Unsichtbare Lebensenergie

Unabhängig davon, ob man nur ethische oder religiöse oder intellektuelle (oder ökonmische) Motive bei seiner Arbeit anwende, so werde man es nicht zur Vollkommenheit bringen. Oder anders formuliert: Wer nur klug ist, ist nicht einmal vollkommen klug. Selbst die vollkommenste Technik bleibe unvollkommen. Die grössten Künstler – so Simmel – seien jene, die ihre ganze Lebensenergie in ein Kunstwerk investierten und dahinter unsichtbar würden, durch ihr Kunstwerk uns aber an einer ungeheuren Schwingungsweite und Intensität ihres Gesamtlebens teilhaben liessen.

 Völlig losgelöst mitten drin

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Die ART Basel fasziniert jährlich Tausende. Kunst hilft uns dabei, die eigene Realität besser zu verstehen. (Foto: M. Schudel, ART Basel 2016)

Die Bedeutung eines Kunstwerks tritt nicht in der technischen Perfektion zutage, sondern dadurch, dass es ein geschlossenes Ganzes und zugleich ein übergreifendes Ganzes bildet: Kunst zeigt uns unsere eigene Wirklichkeit auf und schliesst uns gleichzeitig davon aus. Sie hilft uns dabei, uns von den täglichen Verflechtungen zu befreien, ohne davor die Augen zu verschliessen.  Das Paradoxe an Kunst ist, dass sie uns von der Realität loslöst und uns gleichzeitig in ihr aufgehen lässt.

Rekonstruktion ist unmöglich

So wie wir die Elemente des menschlichen Körpers bestimmen und sezieren, diese jedoch nicht mehr zu einem lebenden menschlichen Organismus zusammensetzen können, verhalte es sich auch mit der Kunst: Ein Kunstwerk ist nach Formen, Farben und Materialien analysierbar, aber jeder Versuch scheitert, dieses wieder zu rekonstruieren. Und das macht den unersetzlichen und unverlierbaren Wert von Kunst aus.

Quelle: Georg Simmel: L’art pour l’art. ex: Der Tag, Nr. 5, 4. Januar 1914, Ausgabe A, Morgenausgabe, Illustrierter Teil, Nr. 3 (Berlin)

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